Ja.

Ein Mann, dem all seine Freunde und bisherigen Ärzte erzählt hatten, er habe aufgrund seiner Symptome im Magen einen Tumor und nicht mehr lange zu leben – und das auch glaubte –, ging zur letzten Untersuchung ins Krankenhaus.

Als die Ergebnisse vorlagen, sagte der untersuchende Doktor zu ihm: „Ja, ich muss Ihnen leider mitteilen, Sie haben ein Magengeschwür." Der Mann verließ die Klinik freudestrahlend und sagte: „Juhu, ich habe ein Magengeschwür!"

Du siehst also: Alle Situationen am Tag hängen vom Blickwinkel ab. Der eine ärgert sich über ein Magengeschwür, der andere ist froh, nur ein Magengeschwür zu haben.

Positive Sichtweise ist trainierbar

Mit einer Methode aus der Positiven Psychologie, die auch mit einer Studie belegt ist. Martin Seligman und Kollegen haben 2005 untersucht, was passiert, wenn Menschen eine Woche lang jeden Tag drei gute Dinge aufschreiben: Das Glücksempfinden stieg messbar – direkt danach, aber auch noch nach einer Woche, einem Monat und sogar nach sechs Monaten.

Der positive Tagesrückblick

Sketchnote: Kalender mit einem Häkchen, eine gepunktete Linie führt zu einem Auge mit Pluszeichen in der Mitte, Überschrift „positiver Tagesrückblick

So führst du den positiven Tagesrückblick durch. Er wird auch „Three Good Things" genannt.

Du schreibst dir einmal am Tag drei Dinge auf vom letzten Tag, als Antwort auf die Frage: Was war schön heute? Oder, wenn du es am Morgen machst: Was war schön gestern?

Sketchnote einer Sprechblase mit der Frage „Was war schön Heute?

Ich selbst habe diese Übung immer gerne morgens nach dem Aufstehen gemacht, bei meinem ersten duftenden Espresso. Andere machen es lieber vor dem Schlafengehen, vielleicht noch direkt im Bett, in einem Notizbuch, das schön eingebunden direkt neben dem Bett liegt – oder im Handy, bevor es zur Seite gelegt wird, in einem endlosen Notizblock.

Wenn du noch eine Schippe drauflegen möchtest, schreibst du noch drei Dinge auf – als Antwort auf die Frage: Was habe ich selbst dafür getan, dass es heute schön war? Oder: Was habe ich dafür getan, dass es gestern schön war?

Sketchnote einer Sprechblase mit der Frage „Was habe ich selber dazu beigetragen, dass es für mich schön war?

Das ist eine extrem mächtige Frage. Sie lenkt den Fokus nicht nur auf die Dinge, die einfach schön waren – wie der Kaffee in der Sonne in der Fußgängerzone. Nein: Du selbst hast vielleicht auch etwas dazu getan, oder hast eine Freundin oder einen Freund, den du lange nicht mehr kontaktiert hast, gefragt, ob ihr nicht zusammen einen Kaffee trinken gehen wollt.

Es ist wichtig, ganz klein anzufangen. Starte also gerne nur mit der ersten Frage: Was war schön heute? Lass die zweite Frage erstmal weg – zwei Fragen sind manchmal schon zu viel.

Als kleinstes Ziel kannst du es nur für 7 Tage, also eine Woche, ausprobieren. Denn du kannst daran denken: Schon mit nur einer Woche hat sich laut Studie eine messbare Veränderung gezeigt.

Falls du jemand bist, der sich gerne herausfordert: Du kannst auch noch eine dritte Frage dazugeben – Wofür bin ich heute dankbar? – und dir 3 Monate als Ziel setzen.

Viel Spaß beim positiver Werden.

Quelle: Seligman, M. E. P., Steen, T. A., Park, N., & Peterson, C. (2005). Positive psychology progress: Empirical validation of interventions. American Psychologist, 60(5), 410–421.